Donnerstag, 9. September 2010

Wolfgang Gerhardt - Politik

''Gegen den Strich bürsten'' - Wolfgang Gerhardt zur Klimapolitik

Bis zum Jahr 2050 wird sich der globale Energiebedarf verdoppeln. Alternative Energiequellen aber sind noch weit davon entfernt, wirklich tauglich für den Masseneinsatz zu sein. Lomborg bezieht sich auf einen Beitrag für das Copenhagen Consensus Center aus dem Juli dieses Jahres, der die ganze technologische Herausforderung zeigt. Um drei Viertel des CO2 bis 2100 einzusparen und gleichzeitig ein vernünftiges Wirtschaftswachstum beizubehalten, müsste eine Kapazität nichtfossiler Energiequellen zur Verfügung stehen, die zweieinhalbmal so groß ist wie der globale Energieverbrauch des Jahres 2000. Wenn wir auf diesem Pfad bleiben, wird die technische Entwicklung nicht annähernd ausreichen um CO2-freie Energiequellen wettbewerbsfähig mit fossilen Energieträgern zu machen, sowohl was deren Preis angeht, als auch deren Effizienz.

 

Die Klima schonenden Energiequellen von heute, einschließlich Atom-, Wind-, Solarkraft und Geothermie sind insgesamt weder in Größenordnung noch Zuverlässigkeit reif. Wir sind noch nicht nahe dran, eine echte technische Revolution zu starten. Meist bedarf es nach Lomborgs Auffassung noch großer absoluter Grundlagenforschung.

 

Er gibt ein Beispiel: Japan. In Japan, so sagt er, versprach man die CO2-Emmission bis 2020 um 8 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Was das bedeutet, hat Rodger Pielke vom Center for Science am Technology Policy Research berechnet: Acht neue noch leistungsstärkere Atomkraftwerke müssten gebaut werden, eine Million neuer Windturbinen müssten aufgestellt werden, Solarpanels müssten auf fast drei Millionen Hausdächer installiert werden, der Anteil von rigoros gedämmten Häusern müsste verdoppelt und der Verkauf von grünen Autos von 4 auf 50 Prozent gesteigert werden.

 

Daß manchen Plänen jede Aussicht auf Umsetzung fehlt stört anscheinend nur wenige. Unser derzeitiger Ansatz, die globale Wärme zu stoppen bedeutet in vielen Fällen, dass wir den Karren vor die Pferde spannen. Lomborg sagt, wir müssten nicht fossile Energie teuerer, sondern alternative Energien billiger machen. Geld für Forschung und Entwicklung in Höhe von Milliarden Euro würde gebraucht. So gewaltig die notwendigen Summen auch erscheinen, sie wäre immer nur noch ein Bruchteil jener Kosten, die die CO2-Reduzierung verschlingen würde. Es geht um einen klugen und ergebnisreichen Innovationspfad, den wir wählen sollten.

 

Wichtig ist, das Geld nicht dafür zu verschwenden, die heutigen uneffizienten Alternativtechniken ein wenig aufzupeppen. Lomborg schildert am Beispiel Deutschlands, daß riesige Geldmengen aufgewendet werden um winzige mengen Kohlendioxid mit Solarkraft einzusparen. 716 Euro würden es sich die Deutschen kosten lassen, um mit den Solarpanels eine Tonne Kohlendioxidemission zu vermeiden. Sie ersparten dem Planeten Erde damit einen geschätzten Schaden von vier Euro. Der maximale Effekt des gesamten deutschen 53 Milliarden Euro teuren Solarförderungsprogramms ist es, die globale Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts um eine Stunde aufzuschieben. Ein imposantes Beispiel für eine Politik, sagt er wörtlich, die sich gut anfühlt aber rein gar nichts bringt. Politiker sollten mit bedeutungsschweren Verhandlungen zur CO2-Reduzierung aufhören und stattdessen ein Bündnis eingehen mit dem Ziel, in Forschung und Entwicklung zu investieren, um alternative Energien auf das nötige Niveau zu bringen.

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