Stiftung würdigt Ralf Dahrendorf


© T. Merkau Am 1. Mai hat Lord Ralf Dahrendorf sein 80. Lebensjahr vollendet. Aus diesem Anlass hat die riedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, deren Vorstandsvorsitzender Lord Dahrendorf zwischen 1982 und 1987 war, zu einer Festveranstaltung mit dem Thema „Für ein Europa des freien Bürgers“ in die Britische Botschaft Berlin eingeladen.
In seinem Grußwort würdigte Sir Michael Arthur, Britischer Botschafter in Deutschland, die Ausnahmeposition, die Dahrendorf als Spitzenpolitiker und Spitzenakademiker über Jahrzehnte eingenommen hat. Diese Doppelfunktion in gleich zwei Ländern wahrzunehmen, das sei, so der Vertreters Londons in Berlin, nahezu einmalig.


Sir Michael Arthur
© T. Merkau Arthur hob hervor, dass Europa vor der wichtigen Aufgabe stehe, effizienter zu werden. Dies könne nur mit der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon gelingen. Die Bürger in Europa müssen sich, so seine feste Überzeugung, stärker mit der EU identifizieren, sie müssten das Gefühl der dadurch entstehenden größeren Freiheiten besser vermittelt bekommen.
Im Namen der Gremien der Stiftung für die Freiheit gratulierte der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Dr. Wolfgang Gerhardt MdB. In seiner Eröffnungsansprache würdigte er Dahrendorf als Persönlichkeit, die Maßstäbe gesetzt habe, die ihren Fachbereich, die Soziologie, als „Zugang zur Realität nahezu für eine ganze Generation“ verstanden habe, und die sich nie gescheut habe, auch die demokratischen Defizite der Europäischen Union und die damit verbundene Bürgerferne zu beanstanden.


Wolfgang Gerhardt redet
© T. Merkau Idee eines Bürgerrechts auf Bildung
Dahrendorf habe, so Gerhardt weiter, in den 60er Jahren viele Menschen mit seiner Idee eines Bürgerrechts auf Bildung begeistert. Wie ein „civil right“ müsse dieses Recht von der Politik garantiert werden. Die Chancengleichheit der Bürger indes führe nicht zu Ergebnisgleichheit. Dies zu verlangen führe, so die Warnung des Stiftungschefs, ziemlich sicher nie zur Freiheit.
„Für ein Europa des freien Bürgers“ – der Titel der Veranstaltung war auch der der anschließenden Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Heiner Bremer debattierten Dr. Silvana Koch-Mehrin MdEP, Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Richter am Bundesverfassungsgericht, Prof. Dr. Beatrice Weder di Mauro, Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen, und Roland Tichy, Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“.
Die Laudatio hielt Guido Westerwelle, Bundesvorsitzender der Liberalen und Chef der FDP-Bundestagsfraktion. Das, was Lord Dahrendorf stets ausgemacht habe, sei sein Faible gewesen, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, auch wenn ihn der Mainstream, und sei es der der eigenen Partei, in eine andere Richtung zu drängen versucht habe. Diese Haltung wünsche er sich vermehrt auch für die heutige Zeit.


Guido Westerwelle
© T. Merkau „Stiftung für die Freiheit“ – entdeckt, worum es geht
Westerwelle würdigte Dahrendorf als dreifache „Ikone“, als Ikone der Wissenschaft, als Ikone der Auseinandersetzung des Jahres 1968 und als Ikone des politischen Liberalismus. Geprägt habe ihn vor allem ein Buch aus der Feder Dahrendorfs: „Die Chancen der Krise: über die Zukunft des Liberalismus“. Kaum ein Titel, der besser passt zu den Debatten um die Eindämmung der aktuellen Finanzmarktkrise.
Nach der Laudatio enthüllte Dahrendorf zusammen mit Gerhardt und Westerwelle eine Büste, die ihren Platz in der London School of Economics finden soll - bis 1984 stand Dahrendorf an ihrer Spitze. Dann trat er selbst ans Rednerpult. Heiserkeit habe ihn vorübergehend seiner Stimme beraubt. Seine „Sprachlosigkeit“ bedeute, dass er sich nicht angemessen bedanken könne - und dass man ihn nicht so lange ertragen müsse. Außerdem sei sie, so der Lord mit typisch britischem Humor, „gut für Europa“. Angespielt hatte Dahrendorf damit auf seine wiederholte Kritik an den politischen Realitäten innerhalb der EU. Dass er dennoch ein überzeugter Europäer sei, dieses Bekenntnis abzulegen ließ er sich selbst von seiner Heiserkeit nicht verbieten.


Lord Dahrendorf
© T. Merkau Dahrendorf bedankte sich bei der Stiftung für die Freiheit für die gelungene Feier - er werde gerne häufiger 80, wenn es mit solchen Veranstaltungen verbunden sei. Er erinnerte abschließend daran, dass die Stiftung zu Zeiten seines Vorsitzes nur „Friedrich-Naumann-Stiftung“ geheißen habe. Durch ihren Namenszusatz aber hätte sie entdeckt, worum es ihr eigentlich geht.
