
Die Koalition aus CDU/CSU und FDP muss beiden Lebensentscheidungen gerecht werden. Dass das nicht einfach war, musste bei den Koalitionsverhandlungen schon jedem bekannt sein. Dass jetzt eine solche Nachdiskussion stattfindet zeigt, dass anscheinend nicht tief genug verhandelt worden ist. Mir erscheint angesichts vieler Kinderschicksale, die wir beobachten können, eine Gutscheindiskussion legitim. Sie darf allerdings die Grenze nicht überschreiten, die darin besteht, dass wir aus der Politik nicht in jede Familie hineinsehen können. Die Politik kann Angebote unterbreiten, sie kann Betreuungsplätze organisieren, sie muss die Entscheidung aber bei den Familien belassen. Wer diese Diskussion total führt, der muss sich auch fragen lassen, warum das Kindergeld ausgezahlt wird. Denn was für das Betreuungsgeld gilt, mit Hinweis auf die Zweifel seines Nutzens für Kinder, vor allem aus Problemfamilien, der muss das erst recht bei dem Thema Kindergeld anführen. Es ist also Vorsicht geboten, wenn man sich nur auf die eine oder andere Seite schlägt.
Dabei muss nicht alles staatlich, flächendeckend und kollektiv geregelt werden. Es würde völlig genügen, wenn sich der eine oder andere Oberbürgermeister oder Landrat, die eine oder andere Oberbürgermeisterin, Bürgermeisterin oder Landrätin, ganz einfach in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich darum kümmern würde, dass Hebammen zu Familienhebammen ausgebildet werden, dass die entsprechenden Summen zur Verfügung gestellt werden und dass ein sogenanntes Backoffice für ihre permanente Betreuung und Beratung an einer Universität, an einer Fachhochschule mit Psychotherapeuten und Sozialarbeitern in dem einen oder anderen Fall zur Verfügung steht. In Deutschland gehen die Diskussionen über frühkindliche Bildung und Erziehung und über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so merkwürdig abstrakt vor sich. Und sie münden immer in der Aufforderung an andere, etwas zu tun. Ein Akzent für eine neue Sozialpolitik ist dabei noch niemandem so recht eingefallen. Sie könnte aber genau da beginnen, wo Kinder geboren werden. Und sie kann nicht in der reinen Alimentierung von Familien enden, sondern muss in ihrer Ermutigung zur Selbstverantwortung bestehen.