Der Statistiker Björn Lomborg ist Direktor des Copenhagen Consensus Center, eines Instituts, das Strategien zu Umwelt- und Klimafragen erforscht. Er ist Däne und lehrt als Professor an der Copenhagen Business School. Neulich schrieb er Interessantes im "Spiegel", über das es sich nachzudenken lohnt.
Nach seiner Auffassung streiten auf dem Feld der Klimapolitik jene, die den Klimawandel leugnen mit denen, die zutiefst alarmiert sind. Die Rhetorik beider Seiten ist indes übertrieben. Die Klimaerwärmung ist Realität und sie ist von Menschen verursacht. Aber wir setzen, so sagt er, auf die falschen Maßnahmen.
Die Aussage, wenn die Politiker den Willen hätten, könnte man etwas machen, ist nach seiner Überzeugung die geringste unserer Sorgen. Wir verfolgen seit 20 Jahren einen grundfalschen Ansatz: Lomborg sagt, er ist ökonomisch mangelhaft, weil uns kurzfristige CO2-Einsparungen ein Vermögen kosten und wenig bewirken. Er ist technisch mangelhaft, weil alternative Energien heute noch nicht so weit sind, um unsere Abhängigkeit vom Kohlenstoff beenden zu können.
Der Plan der Industrienationen, die globale Durchschnittstemperatur auf nicht mehr als 2° Celsius über das vorindustrielle Niveau hinaus ansteigen zu lassen, ist die größte und teuerste Aufgabe aller Zeiten. Wir müssten eine Steuer von 45 Euro auf jede Tonne Kohlendioxid erheben. Wie der Klimaökonom Richard Tol, der Leitautor für den Bericht des Weltklimarates berechnet hat. Eine solche drastische Klimasteuer, so Tol weiter, würde das Weltbruttoinlandsprodukt um atemberaubende 12,9 Prozent im Jahr 2100 schmälern. In Zahlen: Um 27 Billionen Euro pro Jahr.
Lomborg formuliert es drastischer: Die ambitioniertesten Kohlendioxideinsparungen könnten uns um ein Vielfaches mehr kosten als der Klimawandel selbst. Ohne wirkliche Alternativen zu fossilen Energien würden wir letztlich nur das Wirtschaftswachstum beschädigen. Der Ansatz sei zudem politisch mangelhaft, denn die Schlüsselnationen China und Indien seien sehr abhängig von fossilen Energiequellen. Nur durch sie gelinge es Millionen Menschen aus der Armut zu befreien.
Schließlich sei der heutige Ansatz auch technologisch mangelhaft. Es fehle noch immer an angemessenem Ersatz für die fossilen Energieträger. Obwohl diese derzeit schlecht beleumundet seien, blieben sie für unsere Entwicklung, unseren Wohlstand und das Überleben vorerst unverzichtbar. Kohlendioxid zu besteuern, ohne Alternativen zu entwickeln, wird nach seiner Überzeugung den Zustand unseres Planeten eher verschlechtern.